traum selbstversorger

Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten


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Spitzwegerich, Du Freund des stichgeplagten Selbstversorgers

Wenn sich der Mückenstich auf der Stirn zu einer stattlichen Beule entwickelt, dann ist es höchste Zeit für den Spitzwegerich. Der Saft der handzerriebenen Blätter betont die Stirnbeule zwar zusätzlich mit einem schönen Grünschleier, aber es juckt und blitzt nicht mehr auf der Haut. Mit etwas Glück und noch mehr Spitzwegerich-Saft ist der Mückengraus hurtig abgeklungen und nur noch der Grünschleier übrig. Kaum ist der gedankliche Lobpreis auf den Spitzwegerich verklungen, hat man das Allerweltskraut schon wieder vergessen. Bis zum nächsten Mal, wenn man mit juckender Beule vor die Tür rennt und am Straßenrand weit und breit kein Spitzwegerich mehr wächst. Oder, wie hier in Kalifornien, er nur vertrocknete, saftlos-knusprige Blätter in die staubige Luft streckt. Nein, das wird uns nicht passieren. Wir haben das Kraut, das überall wächst, aus Heimweh in einem Blumentopf ausgesät und ernten die kräftig grünen Blätter für eine Spitzwegerich-Salbe.

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Darf ich vorstellen: Die Gemüseglosche

Wenn man morgens in den Garten geht und der Salat plötzlich kahl ist, dann war Nachts hungriger Besuch da. Aber wer? Unser Zaun ist für Rehe zu hoch, doch der Maschendraht lässt genug Platz zum Durchschlüpfen für kleinere Vierbeiner, wie Eichhörnchen und Erdhörnchen. Willens, auch ungebetene Gartengefährten durchzufüttern schauen wir dem wachsen und schrumpfen der Salatköpfe eine Weile zu und wundern uns, warum dem Neuseeländer-Spinat nebenan kein Haar gekrümmt wird. Irgendwann hätten wir auch gerne einmal ein frisches Salatblatt aus dem eigenen Garten zwischen den Zähnen. Was tun, ohne schwere Fallengeschütze aufzufahren? Wir brauchen ein „Erdhörnchen müssen leider draussen bleiben“-Schild, das Erdhörnchen auch verstehen. Wie wäre es mit einer Servierglocke (Käseglocke oder „Glosche“, franz. „Cloche“ für „Glocke“) für den Salat? Wir taufen das Ding „Gemüseglosche“ und fangen an zu bauen.

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Kräutermedizin selbst gemacht (Teil 2)

Die großmütterliche Welt der alten Hausmittelchen und der Kräutermedizin lässt mich so schnell nicht los und zum Glück ist unser Programm in der Kräuterschule Ohlone Herbal Center noch nicht zu Ende. Im ersten Teil von „Kräutermedizin selbst gemacht“ ging es um Medizinwässer, Kräuteröle & Tinkturen. Jetzt stehen mir exotisch anmutende Kräuterabenteuer wie Oxymel, Elixir, Cordial und Electuarium bevor. Das hört sich ziemlich Lateinisch und mittelalterlich an. Ist es auch. Ein Electuarium war ein heilkräftiges „Leckmittel“ in der Klostermedizin, das zuvor schon die alten Ägypter und Ayurvedische Ärzte einsetzten. Ein Cordial (lat. ‚cor‘: Herz) war so etwas wie der herzstärkende Energy Drink in der Renaissance. Das Elixir (arabisch ‚al iksir‘: magische Substanz) war bereits bei den Alchemisten der Antike bekannt. Was rede ich hier von großmütterlichen Hausmittelchen! Es geht ums „Eingemachte“ der menschlichen Heilsgeschichte.

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Kräutermedizin selbst gemacht (Teil 1)

Helfen die wirklich, die Kräuter? Ich glaube schon. Allerdings beschränkt sich meine Erfahrung auf die pflanzlichen Hustentropfen aus der Apotheke, die Thymian und Primel enthalten (Bronchicum®) oder andere Mittelchen, die aus der Fabrik stammen. Ehrlich gesagt habe ich die Verbindung zwischen dem Thymian in meinem Garten und dem Thymian in einem gekauften Produkt nicht gezogen. Hallo! Es ist der gleiche Thymian mit prinzipiell der selben Wirkung. Außerdem dachte ich, es braucht enormes Fachwissen, um aus einer Pflanze eine Medizin zu machen. Huhu! Die Pflanze selbst ist schon die Medizin. Ausgestattet mit diesem neuen, revolutionären Gedankengerüst – pardon: Mindset – mache ich mich auf in eine sehr alte Welt: In die großmütterliche Tradition der selbst gemachten Hausmittelchen und der Kräutermedizin.

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Frau Holle und die Holunderblüten-Gesichtscreme

Wer den Holunder in die Küche lässt, der kann sich kaum entscheiden, was man als erstes ausprobieren möchte. Den Holunderblüten-Sirup vielleicht, oder den Hollerbeeren-Saft, die Holunderblüten-Küchlein, den Hollerblüten-Tee? Wenn nach all diesen Versuchen die Liebe zum sagenumwobenen und duftgewaltigen Holunder noch immer ungetrübt ist, bleibt nur noch eins: Die Holunderblüten-Gesichtscreme. Nun muss man sich nicht gleich alles, was man mag, ins Gesicht schmieren. Von der Käse- oder Tofucreme nehme ich lieber Abstand. Beim Holunder macht es allerdings Sinn. Er ist nicht nur eine alte Heilpflanze für Erkältungen und Fieberkrankheiten. Man sagt ihm einen positiven Einfluss auf Hautirritationen und -Krankheiten nach. Früher heilte der Holunder Wundrose, Ekzeme, Juckreiz und allerlei anderes, unangenehmes Hautabenteuer. Also, denke ich mir, ein bisschen Holunder im Gesicht kann vorbeugend nicht schaden und womöglich sehe ich bald zehn Jahre jünger aus.

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Wenn der Holunder plötzlich fremd riecht und die Eiche anders aussieht

Freudig renne ich mit offenen Armen auf ihn zu. Ein bekanntes Pflanzengesicht, endlich. Die üppigen Blüten des Hollerbuschs lachen mich vom Wegesrand an und winken mir im Wind zu. Ach! Heimattrunken senke ich meine Nase in seinen cremefarbenen Sonnenstaub. Soll sein lieblicher Geruch mich mitnehmen in das Bekannte und Wohlvertraute, mich forttragen. Aber nein. Erschrocken wende ich mich ab. Hallo? Alter Freund, bist Du es wirklich? Du riechst so herb und fremd. Da kann man nichts machen. Wenn der Holunder plötzlich anders duftet, ist man auf der anderen Seite des Ozeans. Es wird Zeit, die kalifornische Pflanzenwelt kennen zu lernen.

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Ruck Zuck ein Hochbeet bauen

Die einen mögen es, weil es schön aussieht. Die anderen finden toll, dass man sich weniger bücken muss. Das Hochbeet erobert die Land- und Stadtgärten aus vielen Gründen. Wer keinen guten Boden im Garten oder nur Beton vor der Haustür hat, der kann sich mit einem Hochbeet den Traum von fruchtbarer Erde und saftig sprießendem Gemüse verwirklichen. Die Erde im Hochbeet erwärmt sich in der Sonne schneller und so entwickeln sich die Pflanzen gut.

Machen wir, kein Thema, meinen wir als ambitionierte Selbstversorger-Träumer. Zumal wir einen typisch kalifornischen Grund für die Anschaffung eines Hochbeets haben: Wurzeln fressende Erdhörnchen. Nur, wer hätte gedacht, dass ein kleines Hochbeetchen aus ein wenig Holz – ausreichend für drei Brokkoli und drei Salatköpfe – die inneren Werte des Geldbeutels ordentlich einschrumpfen kann. Wie hübsch ihr auch ausseht, ihr kaufbaren, profi-geschreinerten und bequemen Varianten, ihr seid nichts für uns, so leid es uns tut.

Wir entscheiden uns für den rustikalen Ur-Typus des Hochbeets: den von Laienhand gebastelten, schmucklosen Kaventsmann für die gärtnerische Ewigkeit.

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Vogelscheuche mit einem Schuß Schreckkrähe

So, wir haben es jetzt verstanden: Wenn Menschen mit dicken Teleobjektiven in Sichtweite des Hauses herumlungern, dann bedeutet das in unserem Fall nicht Promi- sondern Vogelalarm. Als Gemüsegärtner „off the grid“ (lerne: engl. für „Am Arsch der Welt“) sind Vögel kein Spaß, mögen sie auch schön bunt sein und noch so betörend trällern. Vögel fressen nicht nur Samen und Insekten. Sie finden auch Mais und Früchte lecker. Ob sie Erbsen, Tomaten und Gurken anpicken, wissen wir nicht. Wir haben leider keine Ahnung, welche Vögel hier in Kalifornien leben. Sicher ist sicher, lieber mal das stärkste Kampfgerät auffahren, das uns in den Sinn kommt: Die Vogelscheuche – oder auch „Schreckkrähe“ (engl. „Scarecrow“) genannt. Weiterlesen


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Recycling-Gartenvorbereitungen auf kalifornisch

John begrüßt mich in Kalifornien mit einem „Willkommen im Paradies für Gärtner“. Der „Dirtman“, wie er im Ort genannt wird, bringt mir den Kompost und nebenbei den ersten großen Lacher des Tages. Paradies? Ha! So habe ich das bisher nicht gesehen. Mein Gärtnerherz war eher eingeschüchtert, nachdem ich bei Lisa eingeladen war und ihr „Gartengefängnis“ bewundert habe. Weiterlesen


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Liebesäpfel in Santa Cruz

Liebesäpfel – so nannte man früher Tomaten, lerne ich – sind die Leidenschaft der Frau, die mit Stroh-Cowboyhut und Holzfällerhemd vor mir steht. Ihr energiegeladener Auftritt bringt die 30 Kursteilnehmer zum Schweigen und lässt keinen Zweifel. Ja, diese Frau kann anpacken, Fachwissen austeilen, unterhalten und sicher auch Hühner schlachten. Cynthia Sandberg ist die Besitzerin der Love Apple Farms in den Bergen von Santa Cruz.   Weiterlesen