traum selbstversorger

Wie werde ich Selbstversorger in kleinen Schritten


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Auf den Spuren von Feen und Heilpflanzen in San Francisco

Als ich mit gezücktem Notizbuch im Glen Canyon Park im Stadtteil Diamond Heights ankomme, ahne ich noch nichts von den Feen, die hier wohnen und dem Gold, das sie mir schenken werden. Ich bin auf sehr viel Kopf- und ein wenig Sinnesarbeit eingestellt. Tonnen von Informationen über Pflanzen will ich behalten, oder zumindest mitschreiben. Blätter will ich ertasten und schmecken. Lernen will ich, auf dieser Kräuterwanderung durch 28 Hektar Großstadt-Parkwildnis mit Eulen, Falken, Stinktieren und, so sagt man, sogar Coyoten. Meine Studienkolleginnen vom Ohlone Herbal Center sind schon da und unsere heutige Lehrerin, Krista Herbe, erweckt unbestimmbare Stängel und verwelkte Blätter mit ihren Erklärungen zum Leben. Aus braunem Allerlei-Salat, den wir links hätten liegen lassen, wird plötzlich eine beachtenswerte Heilpflanze, die wir minutenlang betrachten.

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Auf Nimmer Wiederhusten: Bester Thymian-Sirup

Kaum weht kalter Wind um die Nase und der Sommer verabschiedet sich, ist es auch schon soweit. Der Hals kratzt. Das passt jetzt aber gar nicht. Weg damit, husch, husch! Nein, so einfach räumst Du nicht das Halsfeld? Na warte! Dir heize ich mit Fire Cider ordentlich ein. Wenn der erstmal mein Immunsystem in Schwung gebracht hat, vergeht Dir das Kratzen. Und falls nicht, lege ich noch etwas ganz Besonderes aus dem Garten nach. Das wird Dich umgarnen und wegzaubern: Der Thymian-Sirup!

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Spitzwegerich, Du Freund des stichgeplagten Selbstversorgers

Wenn sich der Mückenstich auf der Stirn zu einer stattlichen Beule entwickelt, dann ist es höchste Zeit für den Spitzwegerich. Der Saft der handzerriebenen Blätter betont die Stirnbeule zwar zusätzlich mit einem schönen Grünschleier, aber es juckt und blitzt nicht mehr auf der Haut. Mit etwas Glück und noch mehr Spitzwegerich-Saft ist der Mückengraus hurtig abgeklungen und nur noch der Grünschleier übrig. Kaum ist der gedankliche Lobpreis auf den Spitzwegerich verklungen, hat man das Allerweltskraut schon wieder vergessen. Bis zum nächsten Mal, wenn man mit juckender Beule vor die Tür rennt und am Straßenrand weit und breit kein Spitzwegerich mehr wächst. Oder, wie hier in Kalifornien, er nur vertrocknete, saftlos-knusprige Blätter in die staubige Luft streckt. Nein, das wird uns nicht passieren. Wir haben das Kraut, das überall wächst, aus Heimweh in einem Blumentopf ausgesät und ernten die kräftig grünen Blätter für eine Spitzwegerich-Salbe.

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Kräutermedizin selbst gemacht (Teil 2)

Die großmütterliche Welt der alten Hausmittelchen und der Kräutermedizin lässt mich so schnell nicht los und zum Glück ist unser Programm in der Kräuterschule Ohlone Herbal Center noch nicht zu Ende. Im ersten Teil von „Kräutermedizin selbst gemacht“ ging es um Medizinwässer, Kräuteröle & Tinkturen. Jetzt stehen mir exotisch anmutende Kräuterabenteuer wie Oxymel, Elixir, Cordial und Electuarium bevor. Das hört sich ziemlich Lateinisch und mittelalterlich an. Ist es auch. Ein Electuarium war ein heilkräftiges „Leckmittel“ in der Klostermedizin, das zuvor schon die alten Ägypter und Ayurvedische Ärzte einsetzten. Ein Cordial (lat. ‚cor‘: Herz) war so etwas wie der herzstärkende Energy Drink in der Renaissance. Das Elixir (arabisch ‚al iksir‘: magische Substanz) war bereits bei den Alchemisten der Antike bekannt. Was rede ich hier von großmütterlichen Hausmittelchen! Es geht ums „Eingemachte“ der menschlichen Heilsgeschichte.

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Kräutermedizin selbst gemacht (Teil 1)

Helfen die wirklich, die Kräuter? Ich glaube schon. Allerdings beschränkt sich meine Erfahrung auf die pflanzlichen Hustentropfen aus der Apotheke, die Thymian und Primel enthalten (Bronchicum®) oder andere Mittelchen, die aus der Fabrik stammen. Ehrlich gesagt habe ich die Verbindung zwischen dem Thymian in meinem Garten und dem Thymian in einem gekauften Produkt nicht gezogen. Hallo! Es ist der gleiche Thymian mit prinzipiell der selben Wirkung. Außerdem dachte ich, es braucht enormes Fachwissen, um aus einer Pflanze eine Medizin zu machen. Huhu! Die Pflanze selbst ist schon die Medizin. Ausgestattet mit diesem neuen, revolutionären Gedankengerüst – pardon: Mindset – mache ich mich auf in eine sehr alte Welt: In die großmütterliche Tradition der selbst gemachten Hausmittelchen und der Kräutermedizin.

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Wenn der Holunder plötzlich fremd riecht und die Eiche anders aussieht

Freudig renne ich mit offenen Armen auf ihn zu. Ein bekanntes Pflanzengesicht, endlich. Die üppigen Blüten des Hollerbuschs lachen mich vom Wegesrand an und winken mir im Wind zu. Ach! Heimattrunken senke ich meine Nase in seinen cremefarbenen Sonnenstaub. Soll sein lieblicher Geruch mich mitnehmen in das Bekannte und Wohlvertraute, mich forttragen. Aber nein. Erschrocken wende ich mich ab. Hallo? Alter Freund, bist Du es wirklich? Du riechst so herb und fremd. Da kann man nichts machen. Wenn der Holunder plötzlich anders duftet, ist man auf der anderen Seite des Ozeans. Es wird Zeit, die kalifornische Pflanzenwelt kennen zu lernen.

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Mit Wolf-Dieter Storl in der Toskana

Wer weiß schon, dass Marshmallows, die so fluffig-süß und künstlich anmuten, keine moderne Nascherei sind und nicht immer aus Zucker, Eischnee, Aroma- und Farbstoffen bestanden? Der Ethnobotaniker und Kulturanthropologe Dr. Wolf-Dieter Storl erklärt uns während einer Seminarreise in der nördlichen Toskana, wo die Süßigkeit ihre „Wurzeln“ hat: Ursprünglich drehte man einen Teig aus der Wurzel des echten Eibischs über dem Lagerfeuer, oder röstete den Schleim der Malvenwurzel. Wegen solch schöner Pflanzengeschichten haben wir uns mit dem Auto über kurvenreiche, enge und schottrige Bergpässe bis nach Il Doccione geschleppt.

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